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DARF ICH DICH SCHWARZ NENNEN?

It is not our differences that divide us. It is our inability to recognize, accept, and celebrate those differences. – Audre Lorde

Über Diskriminierung und die Bezeichnung Farbiger in Deutschland

 

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Ich bin schwarz.

Klar, das ist offensichtlich. Tatsächlich muss ich beim Sagen dieses Satzes ein wenig schmunzeln. Denn bis vor ein paar Jahren, weigerte ich mich vehement, das Wort, das meine Hautfarbe beschreiben sollte, in den Mund zu nehmen. Ich lehnte es eisern ab, mich als sogenannte Schwarze zu bezeichnen. Stattdessen bevorzugte ich das Wort braun. Der ein oder Andere unter euch wird darüber verblüfft sein. Rein äußerlich gesehen, könne niemand schwarz sein, dachte ich mir. Damals, bis zu der siebten Klasse, wollte ich nicht auf „schwarz“ reduziert werden. Die Farbe schwarz verband ich mit Dreck, Schmutz oder etwas Negativem. Etwas, das nicht auf mich zu traf. Spätestens nachdem die Phrase „Nur weil ich schwarz bin“ bekannt wurde, ging jedoch diese Denkweise vorüber.

Zudem vermute ich, dass sich (viele) „Weiße“ unsicher sind, wie sie uns, Schwarze, bezeichnen sollten. Vor ziemlich genau einem Jahr, während der Zwischenpause unseres Deutschunterrichts, unterhielten sich zwei meiner Klassenkameraden angeregt über das erfolgreiche Model, mit äthiopischen Wurzeln, Sara Nuru. Darüber, dass sie mittlerweile eher selten im deutschen Fernsehen zu sehen sei. Eine kurze Zeit später, bezeichnete einer der beiden die Gewinnerin der Castingshow GNTM als schwarz und fragte seinen Gesprächspartner, ob man Farbige so nennen dürfe. Unsicherheit, vielleicht sogar Verlegenheit, konnte ich an der Stimme heraushören. Ob dies daran lag, dass ich nicht allzu weit weg von ihnen saß und die Person vermutete, dass ich ihr Gespräch mithören könnte, weiß ich bis heute nicht. Viele Deutsche bzw. Europäer rechtfertigen ihre Wahl Dunkelhäutige als schwarz zu bezeichnen mit dem Hinweis darauf, dass „wir“ sie als Weiße betiteln. Nichtsdestotrotz ist vielerorts in Deutschland Unstimmigkeit bezüglich der Bezeichnung Farbiger zu erkennen.

Bin ich die einzige Person, die findet, dass das Wort „schwarz“ einen negativen Beigeschmack hat. Es wirft ein Licht auf die Geschichte der meist Westafrikaner, die nach Amerika verschleppt wurden um dort als Sklaven zu arbeiten. Ein Hauch von kolonialer Vergangenheit

Schokobabys und der scheinbar deutsche Humor

Vor ein paar Monaten saß ich mit zwei jungen Frauen an einem Tisch. Die Eine deutsch, die Andere schwarz (Info: Die Farbige war dunkler als ich). Zuerst unterhielten wir uns über ziemlich alltägliche Dinge, ein echter Small-Talk eben, bis wir auf das Thema Schokobabys (WTF?) kamen. Ihr habt richtig gehört: SCHOKOBABYS! Das deutsche Mädchen erzählte uns, dass sie am liebsten einen sehr dunklen Mann heiraten möchte, beim Sagen dieses Satzes zeigte sie auf das dunklere Mädchen neben uns, um ein Schokobaby mit mittelbrauner bzw. karamellfarbiger Hautfarbe zu bekommen, so wie… mich.

Trotz allem möchte ich klar stellen, dass ich mich durch das Wort „Schokobaby“ nicht angegriffen fühle. Wieso ich euch diese Geschichte erzähle? Bis heute finde ich diese Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit der jungen Frau, mit der sie uns ihren Herzenswunsch teilte, durchaus bemerkenswert. Allerdings habe ich mich nach unserem Gespräch für eine ganze Weile geschämt. Dafür, als das besssere schwarz angesehen zu werden. Ich hoffe, dass ihr meine Gedanken nachvollziehen könnt. Oder findet ihr, dass ich übertreibe? Schreibt mir das bitte gerne in die Kommentare!

Situation in Amerika

Dementgegen hat das englische Wort „black“, insbesondere in Amerika, nicht denselben negativen Unterton wie das deutsche Wort „schwarz“. Das es keine Diskrimnierung und Xenophobie in Amerika gibt, möchte ich auf gar keinen Fall auschließen. Jedoch sind die Menschen in Amerika (mittlerweile!) an einem Punkt angelangt, an dem man sich über den Rassismus und die Geschichte Schwarzer auseinandersetzten kann. Regelmäßig werden Filme und Dokumentationen wie The Butler, 12 Years A Slave,… veröffentlicht, es gibt Bewegungen, beispielsweise Black Lives Matter, die gegen die Diskriminierung Schwarzer in Amerika kämpfen. Barack Obama wurde 2008 zum ersten dunklen Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Davon ist Deutschland leider noch weit weg. Selbstverständlich liegt es auch am vergleichsweise niedrigeren Anteil an Farbigen in Deutschland.

Dennoch, es ist ein bis heute sehr unangenehmes Thema, das selten angesprochen wird, vielmehr ignoriert wird. Mein Frage ist: Wie lange wollen wir das noch durchmachen?

 

 

 

(Video auf Buzzfeed über Black or African American in Amerika)

 

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Ich bin stolz, eine Afrikanerin zu sein. Wirklich! Der schwarze Kontinent hat eine wundervolle Kultur und atemberaubende Landschaft zu bieten. Trotz allem wird Afrika bis heute (fast) nur mit Armut, Hunger und Analphabetismus in Verbindung gebracht. Eltern, die ihren Kindern nicht erlauben in die Schule zu gehen, damit diese auf dem eigenen Feld arbeiten. Frauen, die zu einer Heirat, mit einem doppelt so alten Mann, gezwungen werden. Allerdings habe ich immer wieder das Gefühl, dass mir in Deutschland niemand glaubt, wenn ich davon erzähle, dass ALLE in meiner in Äthiopien lebenden Familie, mindestens einen Hochschulabschluss, wenn nicht sogar Doktortitel, haben.

Ebenso habe ich gelegentlich das Gefühl, als eine Afrikanerin in Europa, eine Bürgerin zweiter Klasse. Sobald ich in den Bus einsteige, werde ich angestarrt. Wenn ich in einen Laden bzw. Boutique gehe, der scheinlich zu teure Klamotten für meinen Geldbeutel anbietet, werde ich angestarrt. Eine Mischung aus Abstoßung und Mitleid.

Kommen wir zu der Frage aller Fragen: Darf ich dich schwarz?

Zuallererst möchte ich die Frage an die „schwarzen“ unter euch stellen: Wie wollte ihr genannt werden: schwarz, dunkelhäutig, braun, farbig, wenn nicht sogar stark pigmentiert oder Neger (Ja, davon habe ich auch schon gehört) ?

1.Neger

Eine gute Freundin von mir fragte mich mal in der Mittelstufe, ob sie mich Neger nennen dürfe. Ich antwortete (natürlich!) entsetzt NEIN. Auf die Frage meinerseits, wieso sie diese Frage überhaupt stelle, antwortete sie nur, dass es ihr ihre Bekannte erlaubte und sie zudem kein Problem damit habe.

Also wenn ich ehrlich zu euch bin, habe ich ein Problem damit, indirekt als Slave bezeignet zu werden! Wieso zu aller Welt, ist jemand damit einverstanden, sie selbst und vor allem freiwillig, zu erniedrigen? Das macht für mich leider keinen Sinn.

 

2. Stark pigmentiert/Maximalpigmentierung

Hört sich meiner Meinung nach viel zu wissenschaftlich an. So als man ob statt eines Menschen ein Objekt wäre. Weiße/Hellhäutige nenne ich auch nicht leicht pigmentiert.

 

3. Braun

Obwohl ich rein äußerlich gesehen braun bin, muss ich mich wohl damit abfinden, dass mich wohl nieee jemand so nennen wird. Genauso wenig wie sich vielleicht auch Weiße damit abfinden müssen, dass ich sie niemals als beige bezeichnen werde.

4. Dunkelhäutig

Das Wort finde ich tatsächlich nicht schlecht.

5. Schwarz

Das Wort mit dem ich mich abgefunden habe. Mittlerweile finde das Wort auch gar nicht „angreifend“. Es kommt mir, aber immer noch auf die richtige Betonung des Wortes an, demnach also nicht beleidigend.

6. Andere Bezeichnungen

Macciato, Caramel, Schokolade,… Ich liebe zwar Schokolade, dennoch finde ich den Vergleich zu Essen nicht ganz so toll.

 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich die Bezeichnung (4.) dunkelhäutig und (5.) schwarz mit keinem negativen Unterton bevorzuge.

Ich würde mich über einen Kommentar von euch auf meinem Blog oder auf Instagram riesig freuen, am besten hinterlasst ihr mir die Zahl, die ihr am besten findet.

Mit welchen Wort möchtet ihr (die Schwarzen unter euch) bezeichnet werden?

 

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Seit über 400 Jahren leben Schwarze in Deutschland und es herrscht bis heute gegenüber der dunkelhäutigen Bevölkerung Diskriminierung. So oft begegne ich Menschen, die behaupten, in Deutschland gebe es weder Rassismus noch Abneigungen. Ich habe das Gefühl, dass diese Personen entweder ihr bisheriges Leben durch die rosarote Brille sahen und dazu ziemlich naiv sind. Oder sich etwas einreden wollen, was nicht der Realität entspricht. (Oder vielleicht auch nur unwissend, was ich ehrlich gesagt nicht glaube) Lustigerweise sind sie meistens blond und blau/grün/grauäugig. Schwarz sein und deutsch dazu? In Deutschland ist das leider alles andere als selbstverständlich.

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Alltagsrassismus

1.Spiele mit rassistischen Namen

Es wird „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann (bzw. Frau)“ gespielt und plötzlich musst du die schwarze Person spielen, vor der alle Angst haben. Muss das sein?

Schwarz fahren, Schwarzarbeit,..

Haare

„Deine Haare fühlen sich wie… Wolle/Stroh an“. Nein, meine Haare fühlen sich wie.. HAARE an!

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Cliches gegenüber Schwarzen

„Du kannst doch sicherlich singen, tanzen, rappen oder Basketball spielen oder?“ Nein, ehrlich gesagt kann ich keines von diesen Dingen besonders gut.

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Wieso sehen Hüften bei Weißen immer besser/schöner aus als bei Schwarzen bzw. werden akzeptiert. Kim Kardashians Hüften, die künstlich gemacht wurden, sehen toll aus, aber bei Afrikanerinnen, die so etwas von Natur aus, sehen Hüften abstoßend aus.

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In die ein oder andere Situation kann sich sicherlich der ein oder andere Schwarze hineinversetzen. Wie ist es, mit dunkler Haut in Deutschland zu leben – und was müsste sich ändern? Die Moderatorin Jana Pareigis begibt sich auf Recherchereise und begegnet anderen Afro-Deutschen, wie dem Künstler Robin Rhode oder dem Rapper Sammy Deluxe. Ich kann euch diese ganz und gar nicht langweilige Dokumentation wärmstens empfehlen!

https://youtu.be/VDVLUqq

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Weitere interessante Artikel:

Schwarz geboren, zum Neger gemacht

Alltagsrassismus  auf dem Lifestyleblog HelloBlack

Wie schwarze Menschen in Deutschland leben  auf Vice

 

Interessante Videos:

Das Problem mit Afrodeutsch  von Aminata Belli

Gibt es das Problem mit Afrodeutsch  von Aminata Belli

Rassismus – Meine Erfahrungen  (als Deutsch-Iranerin) von Talisa Minoush

Rassismus gegenüber Weißen  von JerriesBlog

 

Ich wünsche euch einen gesegneteten Start in die Woche! Hättet ihr Interesse an einem Blogpost über meine Erfahrungen als schwarze Frau in Deutschland? Wenn schon, dann hinterlasst mir bitte hier oder auf Instagram einen Kommentar

 

Lieblingsspruch: New week, new feels, new chances, same dreams, fresh starts

Lieblingslied: King of my heart von Bethel Music. So ein toller Text! Übrigens gehört dieses Lied zum neuen Album Starlight.

Lieblingsartikel: Welchen Lockentyp hast du? von der lieben Joanna. Die Curly Girls unter euch werden sie wahrscheinlich kennen.

 

Alles Liebe,

Feben Lisabell

 

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4 Kommentare zu „DARF ICH DICH SCHWARZ NENNEN?

  1. Hey Feben Lisabell,
    richtig interessanter Blogpost. Du hast ein so komplexes Thema wie Hautfarbe voll gut erkärt Weiter so!!! 🙂
    #goodblogpost #kindafangirlingoverhere #yougogirl

    Gefällt 1 Person

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